Sotschi 2014

Vom 2. – 23. Februar berichtete ich von den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Immer wenn ich dazu kam, habe ich versucht hier ein paar Blicke hinter die Kulissen zu bieten.

Übrigens: Auf Twitter wart ihr noch näher dran am Puls meiner Sotschi-Zeit. Und einige Videos, von meinen Kollegen produziert aus dem von mir gefilmten Material, wurden u.a. hier veröffentlicht.

SPOX-Videotagebuch – ein Abschied unter Palmen:

14. Der Olympiapark
Sotschi 2014: Olympic Park

Sotschi 2014: Olympic Park

Ich habe es doch tatsächlich am allerletzten Tag kurz vor dem Abschlussfeier noch in den Olympiapark in Adler direkt an der Küste geschafft. Hier herrscht eine ganz andere Stimmung als an den Sportstätten oben in den Bergen. Dennoch war es toll, auch hier mal gewesen zu sein. Schon verrückt so viele große Stadien direkt nebeneinander zu sehen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

13. Отсчет идет. Vor dem letzten Wochenende – die erste Olympiamüdigkeit

Die Stimmung unter den Medienschaffenden ist klar: So langsam reicht’s. Fast alle sind ein wenig müde, von allem. Gerade auch dieses „Unbehagen“, das die Kollegen von ZEIT Online gut beschreiben und von dem ich zuvor geschrieben habe, zerrt an den Nerven. Der letzte Olympia-Freitag war ereignisreich: Einige ukrainische Sportler verlassen Sotschi aus Protest, dann aber: Waffenruhe in Kiew, Verfassungsänderung, Timoschenko soll freigelassen werden, eine Übergangsregierung kommt – und dann holt die Ukraine auch noch Gold in der Biathlon-Staffel der Damen – ausgerechnet vor Russland. Die Deutschen erlebten hier ein Debakel, Evi Sachenbacher-Stehle (in den Einzelwettbewerben noch die beste DSV-Starterin) war nicht dabei, der Grund: Doping (hierzu wird noch einiges folgen). Für Andrea Henkel war es also ein unrühmliches letztes Rennen auf olympischer Bühne. Maria Höfl-Riesch hingegen zeigte nach Gold in der Kombi und Silber im Super-G eine starke Leistung im Slalom, wird aber undankbare Vierte.

Ausblick vom Skigebiet "Gornaja Karusel"

Ausblick vom Skigebiet „Gornaja Karusel“

Ich selbst war keineswegs undankbar, sondern wieder unten an der Küste im MPC (Main Press Center), nachdem mein geschätzter englischer Kollege Neil Barker leider erkrankte und im Bett zu Kräften kommen musste. So kam ich zu der Ehre sowohl das Silber-Eishockey-Team der USA als auch die Gold-Mädels der Kanadier zu filmen – da merkte ich wieder, wie eng Freud und Leid beisammen liegen.  Nicht zu vergessen natürlich die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Adelina Sotnikowa, deren Goldmedaille nicht unumstritten ist. Auf in die zwei letzten Tage…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Angesichts der Bilder und Videos aus Kiew (knapp 1.400 Kilometer von Sotschi entfernt im Nachbarland Ukraine) – befindet man sich hier bei den gigantischen Sportspielen in einer Parallelwelt. Damit versuche ich klar zu kommen, während die Siegerehrung der Skicross-Herren läuft… warum können die Franzosen das so gut?!

Die kremlkritische russische Punkband Pussy Riot kam nach Sotschi und hat auf sich und die dunklen Seiten des russischen Macht aufmerksam gemacht – nun haben sie ihr neues Lied und das Video dazu veröffentlicht. An dem Ort – direkt neben dem Media-Center in Sochi selbst – an dem die Pussy-Riot-Aktivistinnen geschlagen und getreten wurden, stand ich selbst nur eine Woche zuvor – natürlich kein Vergleich, zu den Kriegsbildern aus der Ukraine, dennoch erschütternd. (Mich wundert es ja, dass ich mir hier ohne Probleme Videos wie dieses anschauen und anderen kremlkritische Seiten besuchen darf – mit offizieller Sochi-2014-Internetverbindung – hoffentlich darf ich am Montag noch ausreisen…).

Zuletzt war auch ein Kollege von der taz im Deutschen Haus in Krasnaja Poljana, freilich um darüber zu schreiben: Das hat er auch getan. Generell gilt übrigens das Tirol House der Österreicher als deutlich besser besucht, beliebter – v.a. dank der besseren (Party)Stimmung. So musste beispielsweise das Skisprungteam dorthin ausweichen, um seine Goldmedaille zu feiern.

Ein paar Bilder der letzten Tage – es geht nun auch auf die Zielgerade:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf englisch wird hier jeden Tag über die Schattenseiten der Olympischen Spiele in Sotschi berichtet – u.a. mit erschreckenden Videos von Enteignungen von Grundbesitzern.

Aufgrund der vielen anderen kritischen Themen, gerät das Doping rund um die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi etwas in den Hintergrund. Das sollte es jedoch nicht, wie ich finde:

Doping - auch in Sotschi? | via ZEIT ONLINE (Quelle: IOC, eigene Recherche)

Doping – auch in Sotschi? | via ZEIT ONLINE (Quelle: IOC, eigene Recherche)

Empfehlung: Serie Stimmen Russlands – „Ich darf nicht in den Olympischen Park“

DOSB-Präsident Alfons Hörmann erklärte Sotschi 2014 zu den „Spielen der Athleten“ – die Langläuferinnen Denise Herrmann und Stefanie Böhler bestätigten und genießen das. Der Nordische Kombinierer Björn Kircheisen sprach gar von „den schönsten Olympischen Spielen“, die er je miterlebt hat. Die meisten Sportler erleben Olympia hier in Sotschi also tatsächlich als äußerst positiv – trotz all der Kritik. Das Wetter ist super (trotz des Nebels jetzt), die Wege sind extrem kurz, es fehle ihnen quasi an nichts.

Hörmann prognostizierte zudem, dass Sotschi in Sachen Sportstätten „neue Maßstäbe“ für die nächsten Gastgeber setze. Auch die Sicherheitsbedenken bestätigten sich bisher zum Glück nicht. Und wie auch Bundesinnen- und somit auch Sportminister Thomas de Maizière erläuterte, unterscheide sich der Sicherheitsapparat hier in Russland überhaupt nicht von den Sommerspielen in London 2012 – so etwas gehöre heutzutage leider zu Großveranstaltungen dazu.

Alles gut also? Nein! Denn so einfach, wie es sich das IOC und auch die Sportler machen, ist es eben nicht. Natürlich sind die Sportler nicht für die Politik verantwortlich, dennoch dürfen sie nicht ohne Reflexion die perfekte Sportstätten genießen, wenn diese erst durch Menschenrechtsverletzungen entstanden sind – Felix Neureuther war einer der wenigen Athleten, die das offen angesprochen haben – v.a. auch hinsichtlich der fehlenden, gewachsenen Sportstrukturen und Begeisterung der Bevölkerung (was sich nun auch während den Wettkämpfen zeigt). Auch Aksel Lund Svindal stellte im Gespräch mit mir klar: Das IOC muss die volle Verantwortung übernehmen, hat Wladimir Putin seinen Russen aber das gewünschte Wintersportzentrum schenken lassen – und die sind begeistert, stolz und dankbar.

Und das IOC mit dem neuen Chef Thomas Bach an der Spitze? Hörmann und auch Chef de Mission Michael Vesper werden nicht Müde zu betonen, dass beim IOC hinsichtlich der Vergabekriterien für Olympische Spiele ein „großes Umdenken“ stattgefunden hat. Erste Ergebnisse sollen spätestens im Dezember präsentiert werden.

SPOX-Videotagebuch – mein Treffen mit einem ganz Großen…:

Empfehlung: Felix Neureuther in Sotschi nach seinen Autounfall  – den Humor nicht verloren

12. „Des einen Freund, des anderen Leid“ – Der RusSki Gorki  Jumping Center

Bitter, schade, auwehzwick! Severin Freund muss sich mit Rang 4 begnügen. Dennoch tolle Leistung bei meinem ersten Live-Skispringen. Muss man es mal vor Ort gesehen haben? Eigentlich nö. Richtig spektakulär war’s jetzt nicht, vor allem war mal wieder die Stimmung nur mittelmäßig. Einzig, wenn sich russische Springer vom Balken stießen, jubelte die überwiegend russische Menge. Spannend wurde es nur am Ende, als sich die Blicke gen Ergebnistafel richteten. Warum aber ausgerechnet bei den letzten drei Springer die Punkteermittlung so lange dauerte, erschloss sich mir nicht – zuvor ging’s 25 Mal auch sehr viel schneller. Das erinnerte ein bisschen an Entscheidungen bei „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany’s next Topmodel“.

Bilder vom Skispringen und den vergangenen Tagen:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Agentur Jung von Matt betreut also auch den DOSB – und liefert für jeden Medaillengewinner einen markigen Spruch. Die Resonanz ist gut, alles richtig gemacht also. Auch ich finde daran Gefallen und habe auf Twitter Feedback gegeben:

Empfehlung:

Die New York Times hat mich mit der detaillierten und etwas ungewöhnlichen Herangehensweise in der Hintergrundberichterstattung beeindruckt. Schaut euch das auch an – macht sau viel Spaß:

Alles konzentriert sich immer auf die Medaillengewinner – hier richtet sich der Blick mal auf die Viertplatzierten: Fourth. What it’s like to just miss an Olympic medal.“

Zudem hier wird hier die Faszination der verschiedenen Sportarten anschaulich dargestellt:

Ski alpin: Riesenslalom mit Ted Ligety

Snowboard: Halfpipe mit Shaun White

Rodeln: Der Sanki Sliding Center – und die Lehrer aus einem Todesfall

Short Track: Nascar on ice

Skispringen: Die Faszination des Fliegens

Slopestyle: Die neue Disziplin, die alle fasziniert

Der Blick aus meinem Hotelzimmer 2

Der Blick aus meinem Hotelzimmer 2

Der Blick aus meinem Hotelzimmer 1

Der Blick aus meinem Hotelzimmer 1

11. Busirrfahrt, Tempolimit, russische Arbeiter und ungeklärte Fragen

Nach getaner Arbeit wollte ich mir eigentlich das Herren-Einzel im Biathlon anschauen. In Gedanken versunken stieg ich aber in den falschen Bus ein – ausgerechnet in den, der von den Bergen an die Küste fährt… Das bescherte mir also einen unverhofften Nachmittagsschlaf auf dem Hinweg, auch nicht schlecht. Auf dem Rückweg sind mir dann ein, zwei Dinge aufgefallen, die Fragen bei mir hinterlassen haben:

  1. Plötzlich dürfen die Busse hier auf der meist einspurigen Schnellstraße 90 km/h fahren. Woher rührt die Änderung bzw. warum zum Teufel durften sie zu Beginn nur 60 km/h fahren?
  2. Was genau ist das für ein riesiges Militärlager, das etwa nach fünf Minuten Fahrt auf der rechten Seite zu sehen ist – bzw. eben nicht? Warum scheint es so unfassbar gut abgesichert zu sein und warum braucht es einen Sichtschutz? Und wenn es schon einen Sichtschutz braucht, warum macht man ihn dann nicht komplett dicht?

Ich erinnerte mich auf der weiteren Busfahrt an meine beiden einzigen Gespräche mit russischen Arbeitern, die wahrscheinlich auch mein Hotel gebaut haben. Beide Male wurde ich sofort gefragt: „Do you like Sochi?“ Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Die Frage kam bei mir auf zwei verschiedene Arten an. Beim ersten Mal glaubte ich Zynismus herauszuhören, nach dem Motto: „Ich habe meine Familie verlassen, schuffte hier Tag und Nacht, um Geld zu verdienen, werde gepeinigt und bekomme am Ende nur die Hälfte des versprochenen Lohnes. Und du interessierst dich für all das nicht… Gefällt dir dieses Sotschi?“ Beim zweiten Mal wollte ich eine stolz geschwellte Brust erkannt haben: „Wahnsinn, was wir Arbeiter hier geschafft haben, oder? Wir haben hart gearbeitet, um dieses Ereignis möglich zu machen, damit ihr euch wohl fühlt und gut arbeiten könnt… Wie gefällt dir unser Sotschi?“ Wahrscheinlich liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Leider sind tiefgreifende Gespräche kaum möglich, da ich weder russisch, noch die Arbeiter englisch oder deutsch sprechen.

Bedauerlicherweise habe ich nicht die Zeit, diesen Fragen nachzugehen und herauszufinden, was sich da alles zwischen Küste und den Bergen versteckt. Ich berichte über das sportliche Ereignis Olympia und nicht das politische. Aber ich wünsche mir und erwarte z.B. von den Kollegen der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel, dass sie sich die Zeit nehmen können, all dem nachzugehen. Klar ist: Für fast alle Sportler ist Sotschi 2014 ein tolles Erlebnis, die Stimmung in den Olympischen Dörfern der Athleten ist einzigartig, die Russen zeigen sich als gute Gastgeber und auch die Sportstätten könnten wohl kaum besser sein. Einzig die Stimmung auf den Tribünen ist teilweise nur zweitklassig.

10. iPod – der coolste Olympiasieger von Sotschi? Iouri Podladtchikovs legendäre PK nach dem Sieg über Shaun White

Könnten zwei Olympiasieger unterschiedlicher sein? Auf der einen Seite Carina Vogt, die 22 Jahre junge Deutsche, schüchtern, zurückhaltend, noch nicht realisierend, dass sie für immer die erste Olympiasiegerin im Skispringen der Damen bleiben wird. Irgendwie knuffig. Auf der anderen Seite Iouri Podladtchikov, der 25 Jahre alte Snowboard-Superstar, der als in Russland geborener Schweizer hier natürlich noch mehr gehyped wird. Hier knuffig, da cool.

Seine Pressekonferenz nach dem Sieg über die Legende Shaun White ist schon jetzt legendär. Zerstruwwelte Haare, große schwarze Sonnenbrille – und natürlich beste Laune… Frage: „Iouri, wie bist du darauf gekommen, diesen Yolo-Trick zu probieren/kreieren. Wann war das erste Mal und wie kam es dazu?“ Antwort: „Ich wollte eine hübsche Frau beeindrucken!“ Frage: „War der Sieg jetzt auch eine Antwort an die Kritiker, dass du zu viel feierst?“ Antwort: „Das habe ich vom viermaligen Olympiasieger Simon Ammann gelernt. Du musst für deinen Erfolg enorm hart arbeiten. Aber das geht nur, wenn du auch genauso hart chillen kannst. Da gehören auch hübsche Frauen dazu – wenn ich eine sehe, dann ist der Tag gerettet.“

Genau diese Vielfalt, diese unterschiedlichen Geschichten, machen Olympia zu dem, was es ist.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

9. Allez les Bleus! Fourcade, Beatrix, das Französische Haus und ein selbstbewusster Ted Ligety

Nach einem geruhsamen Vormittag stand erst eine Pressekonferenz mit dem Ski alpin Team der USA an – bestehend nur aus Ted Ligety. Reicht ja auch, die Pasternak-Hall war dennoch so voll wie nie – klar, der gute Ligety ist ja auch bereits Olympiasieger und mindestens im Riesenslalom Favorit. Das Highlight des Tages gab’s dann im „Club France“, also dem Französischen Haus hier im Mountain Cluster. Dank meines guten Drahtes zu Medienmann Benoit wusste ich von der Ankunft Martin Fourcades und Jean Guillaume Beatrix‘ und dem anschließenden Pool-Interview – endlich wieder Gedrängel neben anderen schwitzenden Journalisten – yeah! Aber es hat sich gelohnt: Gute O-Töne und vor allem zwei sehr sympathische Sportler.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

SPOX-Videotagebuch – die Franzosen feiern ihre Biathlon-Helden Fourcade und Beatrix:

8. Von Hörbüchern, lässigen Pressesprechern, Goldmedaillen, Abschussrampen und einem alten, fliegenden Norweger

Früh aufstehen war angesagt, die Pressekonferenz mit Rodel-Olympiasieger Felix Loch, Teamkollege Andi Langenhan, Claudia Pechstein und Chef de Mission Michael Vesper stand an – auf ins Deutsche Haus. Versüßt wurde mir das Warten auf die Athleten durch die Tontechniker des DOSB – sie ließen über die Audiobox einfach ein Hörbuch laufen – auch die ARD wurde neugierig:

Anschließend sofort weiter ins Tirol House der Österreicher – ihr Abfahrtsheld Matthias Mayer kam zum Pressegespräch – der Presseraum („Presse-Stüberl“) ist hier deutlich kleiner, was es zum Arbeiten nicht gerade angenehmer macht. Zum Abschluss noch die PK mit dem Snowboardcross-Team der USA im Gorki Media Center mit dem lässigsten Pressesprecher der Welt – da hat sich erneut gezeigt, dass diese Typen einfach extrem entspannt zu sein scheinen und ihr Leben genießen – davon kann und sollte man sich eine Scheibe abschneiden! Ich jedenfalls versuche das jeden Tag.

Daher machte ich mich im Anschluss auf in den Laura Cross-Country Ski & Biathlon Center, Simon Schempp und Co. wollten in der Verfolgung der Biathlon-Herren ihr Glück versuchen. Zum ersten Mal, seit ich hier in Russland bin, zeigte sich das Wetter nicht von seiner besten Seite – vereinzelte Regentropfen fanden den Weg auf meine Mütze. Im Langlauf- und Biathlon-Center angekommen aber schneeregnete es nicht mehr und es bot sich mir eine wirklich tolle Anlage. Doch bereits auf dem Weg mit dem Shuttle-Bus von der Gondel zum Stadion fährt man an einer Militärbasis mit Abschussrampe und lieblosen Containern der Arbeiter vorbei – die tollen Sportstätten hier haben eben auch ihre Schattenseite – worüber sich auch Rodler Andi Langenhan detailliert Gedanken gemacht hat.

Die Stimmung im Biathlon-Stadion war deutlich besser als die beim Ski alpin – kein Wunder, schließlich gibt es hier deutlich mehr aussichtsreiche, russische Athleten. Es hat sich mal wieder gezeigt, dass Biathlon einfach eine spannende Sache für Zuschauer ist – live genauso wie im Fernsehen. Schade war, dass man von der Mixed Zone der schreibenden Zunft aus eine etwas miese Sicht hatte – sowohl auf den Zieleinlauf, als auch auf den Schießstand. Nichtsdestotrotz konnte ich mir – als seit Weihnachten selbst Inhaber einer Langlauf-Ausrüstung – einiges bei den Biathleten abschauen – allen voran bei Ole-Einar Björndalen – der alte Haudegen fliegt förmlich über den Schnee.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

7. Faszination Eiskanal! Der Sanki Sliding Center von Sotschi

Um ehrlich zu sein, fehlte mir bisher zu allen Disziplinen des Eiskanals (Rodeln, Bob, Skeleton) der letzte Bezug. Wir Deutschen sind zwar traditionell immer sehr erfolgreich (Herzlich Glückwunsch an dieser Stelle an Felix Loch!), aber ich habe meistens weg- oder abgeschalten, wenn Rodeln kam. Daher war ich umso gespannter und neugieriger, was mich am Sanki Sliding Center von Sotschi erwarten würde. Beim dritten Lauf der Rodler habe ich einen Blick in den Eiskanal gewagt – und es hat meine Sicht geändert. Rodeln/Bobfahren/Skeleton gehören – das weiß ich seit heute – zu den Sportarten, die live viel beeindruckender sind als im Fernsehen. Man steht teilweise nur einen Meter neben der Bahn, könnte theoretisch in die Bahn reinspringen. Wenn sich dann ein Athlet bereits akkustisch ankündigt und mit wahnsinniger Geschwindigkeit an einem vorbeirauscht – das ist durchaus beeindruckend. Auch das kleine, gemütliche Zielhaus mit überschaubarer Mixed Zone war sehr sympathisch.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ein paar Bilder aus dem Mountain Cluster – 1. Tag mit Medaillenvergaben (8. Februar):

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Empfehlungen:

SPOX-Videotagebuch – auf dem Weg zur Eröffnungsfeier:

6. Crispin Lipscomb und die Frage: Worum geht’s bei Olympia?

Nachdem ich für die globale Video-Nachrichtenagentur OMNISPORT arbeite, komme ich ständig in den Genuss etwas außergewöhnlichere Pressekonferenzen zu filmen, zumindest aus deutscher Sicht. Die japanischen Sportler zum Beispiel geben stets extrem einsilbige Antworten – keine Antwort dauert länger als vier bis fünf Sätze, egal wie die Frage lautet. Die PK des kanadischen Snowboard-Teams (Halfpipe) war da schon um Welten interessanter. Vor allem Crispin Lipscomb, der vom Skateboarding kommt, gab interessante Antworten, die mich an Aussagen von Aksel Lund Svindal und Marcel Hirscher erinnert haben – oder auch von Bode Miller und Julia Mancuso. Deshalb habe ich mich anschließend mit ihm in einem 1:1-Interview über Olympia und die generelle Herangehensweise an sportliche Wettkämpfe unterhalten – und wie Sportler, Fans und Medien damit umgehen (sollten). Das habe ich daraus gezogen:

  • Fast alle Athleten haben diesen Satz schon gesagt: „I’ve worked as hard as I can. I’ll go out there and do as best as I can and then we’ll see what happens.“ Jeder konzentriert sich auf sich selbst, will für sich selbst die beste Leistung bringen.
  • Für die meisten Athleten ist der Wettkampf (die Wettkämpfe) wie jeder andere auch – die gleichen Kontrahenten, nur ein weiterer Ort (um die Welt reisen die meisten sowieso). Der einzige große Unterschied: Wir, die Medien. Aus sportlicher Sicht ist es ehrlicherweise ja tatsächlich so: Mitten in der normalen Weltcup-Saison kommen alle an einen Ort zusammen und messen sich ein Mal pro Disziplin – nur diesmal kommen sehr viel mehr Menschen (Journalisten, Zuschauer) und es werden plötzlich Medaillen vergeben.
  • Der Sieg im Gesamtweltcup ist für die meisten Sportler mehr wert als Gold bei den Olympischen Spielen.
  • Viele setzen sich nicht als Ziel: „Ja, ich will Olympiasieger werden!“ Es geht vielmehr darum, sich selbst treu zu bleiben, das Leben zu genießen, seine für sich bestmögliche Leistung abzurufen. Der Rest, also der Erfolg, kommt dann, wenn dies funktioniert, von ganz alleine. Svindal ist auf der Suche nach der Geschwindigkeit – er stets schneller sein als zuvor. Hirscher ist auf der Suche nach dem perfekten Schwung. Sie sind die besten Skifahrer der Welt, jagen aber nicht nach Medaillen – die resultieren nur daraus, dass Svindal sehr oft sehr schnell und Hirscher sehr oft sehr nah am perfekten Schwung ist.
  • Medien, Fans und Zuschauer müssen davon wegkommen, dass nur der Erste der Gewinner ist. Wie kann ein dritter oder sogar zweiter Platz von Hirscher in Österreich als Enttäuschung bezeichnet werden? So aber ist es. Auch er selbst kritisiert das – zu Recht!

SPOX-Videotagebuch – das Gorki Media Center:

5. Sochi-City und die Olympiamedaillen – aber Wintersport?

Etwas spontan bin ich heute im Anschluss an die Auftakt-Pressekonferenz des DOSB nach dem Schnitt nach Sotschi gefahren. Also in den tatsächlichen Ort, der von mir gut zwei Stunden entfernt ist. Dort habe ich dann die Präsentation der Olympiamedaillen gefilmt und mir noch ein wenig den Ort angeschaut – unter anderem die Countdown-Uhr. Auffällig waren u.a. folgende Dinge:

  • Die Volunteers konnten schlechter englisch als hier in den Bergen oder am Olympiapark – daher hatte ich die Chance meine Pantomime-Fähigkeiten einmal mehr unter Beweis zu stellen; erfolgreich.
  • Ich habe meine erste Bettlerin gesehen. Verrückt, dass sie es sonst schaffen, die von allem fern zu halten.
  • Es sah überhaupt nichts nach einem Wintersportort aus. Kein Schnee. Über 15 Grad – und das im kältesten Monat.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

SPOX-Videotagebuch – der eigentliche Ort Sochi:

Für inhaltlich Interessierte: Hier ein paar andere Beispiele, bei denen noch nicht alles fertig ist.

4. Das Deutsche Haus

Heute ist endlich auch das deutsche Team offiziell in die Olympischen Spiele gestartet – sportlich natürlich noch nicht. Aber Michael Vesper hat gemeinsam mit Bernhard Schwank die Auftakt-Pressekonferenz des DOSB gehalten, im Deutschen Haus in den Bergen. Dieses ist knapp 30 Minuten von meinem Hotel entfernt. Hier werden immer wieder PKs stattfinden – und auch sonst ist dies die Anlaufstelle des deutschen Sports während den Spielen – daher bin ich hier sicherlich öfter. Bin schon sehr gespannt, wie die Stimmung hier sein wird, wenn ein Medaillengewinner einmarschiert.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

3. Rosa Khutor – fast schon Wintersport-Feeling

Mit der Gondel ging’s wieder runter vom Mountain Village – mitten rein ins Getümel in Rosa Khutor. Hier war endlich mal einiges los – viele Menschen tummelten sich hier rund um den Fluss und das ließ sofort gute Stimmung entstehen. Bin schon sehr gespannt, wie unterschiedlich hier überall die Stimmung sein wird, wenn die Spiele und die Wettkämpfe dann erstmal losgehen. Hier an der Talstation des Rosa Khutor Extreme Park hatte ich dann ein Interview mit Max Parrot – wie es sich für einen gepflegten Snowboarder gehört, war der Kanadier natürlich eine ziemlich coole Socke. Er sprach sehr offen über die vieldiskutierte Snowboard-Slopestyle-Strecke und den verünglückten norwegischen Konkurrenten Torstein Horgmo. Den hatte ich zuvor bereits zufällig im Mountain Village getroffen – er konnte bereist schon wieder ein wenig lachen. Tags zuvor machte ich mich bereits auf in den Extreme Park und machte ein paar Aufnahmen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

SPOX-Videotagebuch – das Mountain Village der Athleten:

2. Das Mountain Olympic Village der alpinen Sportler

Es sind noch drei Tage bis zur Eröffnungsfeier in Sotschi – und ich war heute unter anderem im Mountain Village, in dem viele Athleten untergebracht sind. Es dauert zwar ein wenig, bis man vom Gorki Media Center dort hinkommt (zwei Busfahrten, eine Gondelfahrt, noch eine Busfahrt), aber es sah soweit gut aus. Natürlich war das Dorf noch lange nicht voll – viele Sportler kommen erst noch.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

1. Die Ankunft | Die ersten Tage

Mein Flieger aus Frankfurt landete um kurz 6 Uhr Ortszeit (ich bin hier drei Stunden voraus). Nach einer Stunde Wartezeit auf meinen Shuttle-Bus und einer Fahrtzeit von 1:20 h, freute ich mich endlich müde ins Bett fallen zu können. Doch die Suche nach meinem Hotel gestaltete sich viel schwieriger als gedacht. Die ersten zwei Anläufe waren vergebens, dann wurde ich per Gondel/Skilift auf eine Mittelstation auf knapp 1000 Metern Höhe geschickt. Hier wurde eine kleine Parallelwelt bestehend aus sechs, sieben Hotels erbaut, die jedoch allesamt noch nicht komplett fertig waren. Keiner der hier herumlaufenden Menschen kannte mein Hotel „Gorki Panorama“. Nach weiteren 45 Minuten stand ich also im Voyer meines Hotels, musste feststellen, dass es erst vor wenigen Minuten eröffnet hat und ich der allererste Gast war, der hier einchecken wollte. Zum Glück ist mein Zimmer aber soweit fertig und durchaus gemütlich. Lange schlafen konnte ich allerdings nicht, denn nach ca. einer Stunde begann ein unglaublich lauter Feueralarm – weiterschlafen war also nicht. Die einzige Frage, die ich mir stellte war: Wie kann man die ganze Welt zu Olympischen Spielen einladen, wenn die Hotels noch nicht fertig sind – tausende Journalisten werden kommen, tausende Athleten, tausende Volunteers. Zu diesem Zeitpunkt ging ich nicht davon aus, dass hier jemals vernünftige Spiele stattfinden können.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

SPOX-Videotagebuch – die Sache mit den Hotels:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: